Gefahr auf dem Schornstein: Nistende Dohlen
Jens TruogDer Frühling ist in vollem Gange und die Dohlen fangen wieder an zu brüten. Doch das kann für Kaminbesitzer auch richtig gefährlich werden: Nämlich dann, wenn sich die Dohlen im Schornstein niedergelassen haben. Doch warum stellen die Dohlen im Schornstein überhaupt eine Gefahr dar? Wie erkenne ich rechtzeitig, ob sich ein Vogelpaar auf dem Schornstein niedergelassen hat? Und am allerwichtigsten: Wie kann ich mich und meine Familie schützen?
Warum brüten die Dohlen ausgerechnet im Schornstein?
Das liegt vor allem daran, dass die Schornsteine auf den Dächern für viele Vögel perfekte Ausgangsbedingungen bieten. Die kompakte Form und die Grundfläche eines Schornsteins sind gerade für mittelgroße Vogelarten, wie Rabenvögel bis hin zu Störchen, die ideale Größe.

Jede Vogelart hat dabei ihre ganz eigenen Präferenzen. Die meisten sind dabei recht einfach zu erkennen, da sie ihr Nest direkt oben auf dem Schornsteinkopf bauen. Bei Dohlen ist das allerdings anders. Diese haben den natürlichen Trieb, ihr Nest nicht oben, sondern im Schornsteinschacht zu bauen. Daher sind sie von der Straße aus unmöglich zu erkennen.
Worin liegt die Gefahr?

Wie häufig kommt so etwas bei uns vor?

Frühe Erkennung hilft Mensch und Tier

- Lassen Sie Ihren Blick über die Dächer der Nachbarschaft und Umgebung schweifen: Gibt es in der Nähe schon Vögel, die auf den Dächern oder auf Schornsteinen ihr Quartier aufgeschlagen haben? Dann sollten Sie auf jeden Fall wachsam sein. Denn die Tiere haben den Instinkt, jedes Jahr an den gleichen Nistplatz zurückzukehren.
- Viele Vogelarten, wie beispielsweise Dohlen (Rabenvögel) inspizieren die Nistplätze vor dem eigentlichen Nestbau, ob die Stelle tatsächlich geeignet ist. Dazu setzen sich die Dohlen auf den Schornstein und werfen dann kleine Zweige und Nistmaterial hinein. Sollten Sie etwas in der Art bei Ihnen oder in der Umgebung beobachten, ist dies schon ein eindeutiges Zeichen.
- Bei Dohlen kommt ein weiterer gefährlicher Faktor hinzu. Die Dohlen nisten nicht auf dem Schornstein, sondern nutzen die Anlage als Höhle und bauen das Nest darin! Es ist von unten aus gar nicht zu sehen. Beobachten Sie also Elterntiere, die immer wieder zu Ihrem Schornstein fliegen und dann verschwinden, dann gilt höchste Alarmstufe.
Wie kann man sich schützen?
Mit nistenden Vögeln im Schornstein oder im Leichtbauschornstein ist nicht zu spaßen. Deshalb ist Prävention eine der wichtigsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können. Eine gute Beobachtungsgabe und die Tipps zum Erkennen eines Nistplatzes sind da schon ein guter Anfang. Es gibt aber noch mehr, was Sie unternehmen können, um sich und Ihre Familie vor der Gefahr einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung zu schützen.
Die Installation eines sogenannten Dohlengitters auf dem Schornstein verhindert beispielsweise, dass die Tiere dort ein Nest bauen können. Manchmal reicht das aber nicht aus. Die bessere Lösung ist eine Schornsteinabdeckung. Dabei handelt es sich um einen Aufsatz, der oben am Schlot befestigt wird. Die Vögel haben somit keine Möglichkeit mehr in den Schornstein hineinzuklettern und dort ihr Nest zu errichten. Außerdem schützen solche Schornsteinaufsätze auch vor einfallendem Regen und der Gefahr der Versottung.
Auch ganz wichtig: CO-Melder für den Kamin. Diese Frühwarngeräte können einen Anstieg von Kohlenstoffmonoxid in der Raumluft erkennen und schlagen dann Alarm.
Was sollte ich machen, wenn im Schornstein ein Nest mit Dohlen zu sehen ist?
Sollten Sie oder der Kaminkehrer ein Dohlennest im Schornstein entdeckt haben, dann muss es vom Profi entfernt werden. Da sollten Sie auf keinen Fall selbst rangehen. Denn viele Vogelarten (auch die Dohle) stehen unter Naturschutz. Liegen noch keine Eier im Nest, dann geht die Entfernung in der Regel schnell und einfach von Statten. Dann werden häufig sogenannte Fallgranaten hineingeworfen. Das sind Gewichte, die das Nest zerstören und nach unten drücken. Man kann bei hartnäckigen Fällen auch einen Windhaken einsetzen. Befinden sich jedoch schon gelegte Eier im Nistplatz der Vögel, müssen diese jedoch mit einigem Aufwand umgesiedelt werden.

