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Gefahr auf dem Schornstein: Nistende Vögel

Der Frühling ist in vollem Gange und die Vögel fangen wieder an zu brüten. Doch das kann für uns Kaminbesitzer auch richtig gefährlich werden: Nämlich dann, wenn sich die Vögel oben auf dem Schornstein niedergelassen haben. Immer wieder hört man in den Medien von zahlreichen Unfällen, Kohlenstoffmonoxid-Vergiftungen und leider auch Todesfällen. Doch warum stellen die Vögel so eine große Gefahr dar? Wie erkenne ich rechtzeitig, ob sich ein Vogelpaar auf dem Schornstein niedergelassen hat? Und am allerwichtigsten: Wie kann ich mich und meine Familie schützen?

Warum brüten die Vögel ausgerechnet im Schornstein?

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Das liegt vor allem daran, dass die Schornsteine auf den Dächern für viele Vögel perfekte Ausgangsbedingungen bieten. Die kompakte Form und die Grundfläche eines Schornsteins sind gerade für mittelgroße Vogelarten, wie Rabenvögel und Störche, die ideale Größe.

Da das obere Ende der Essen immer höher liegt, als das eigentliche Dach, haben die nistenden Vogelpaare außerdem einen sehr guten Überblick über das gesamte Gebiet. So können sie potentielle Feinde schon frühzeitig erkennen und darauf reagieren.Außerdem möchten die Tiere bei der Aufzucht ihrer Brut möglichst ungestört sein. Ein weiterer wichtiger Grund: Der Schornstein ist schön warm. Und das hilft den Vögeln beim Ausbrüten der gelegten Eier. Aus diesen Gründen sind Schornsteine für einige Vogelarten besonders interessant.

Welche Gefahr geht von nistenden Vögeln auf dem Schornstein aus?

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Haben die Vögel einen geeigneten Platz zum Nisten entdeckt, dann fangen sie sofort mit dem Nestbau an. Die Konstruktionen bestehen aus Zweigen, kleinen Ästen, Gräsern und sonstigem Baumaterial, was den Tieren dafür geeignet scheint. Da die Nester das beachtliche Gewicht einer ganzen Vogelfamilie aushalten müssen, muss der Brutplatz sehr stabil sein. Das führt dazu, dass das Nest mit sehr viel Baumaterial verstärkt wird. Der Schornstein wird verstopft. Die Rauchgase können nicht mehr richtig abziehen und beginnen sich im Schlot zu sammeln. Da das Gas aber irgendwo entweichen muss, gelangt es auf diese Weise in die Wohnräume. Eins der besonders gefährlichen Gase, ist das sogenannte Kohlenstoffmonoxid.

Was ist Kohlenstoffmonoxid und warum ist es so gefährlich?

Kohlenstoffmonoxid ist ein Gas, dass als Nebenprodukt bei einer Verbrennung von Holz im Kamin oder Gas im Gaskamin entsteht. Das Gefährliche daran: Es ist besitzt keine Farbe und hat auch keinen Geruch. Es wirkt nicht reizend und schmeckt nach nichts. Wir Menschen können es also nahezu überhaupt nicht wahrnehmen.

Bei einem guten Zug im Schornstein und einem modernen Brenner wird es schnell nach oben hin abtransportiert und stellt für uns Menschen keine Gefahr dar. Das Gas kommt sogar ganz natürlich in unserer Atmosphäre vor. Wird der Schornstein aber zum Beispiel durch nistende Vögel blockiert, dann kann es kritisch werden. Gelangt das Kohlenstoffmonoxid über die Atmung in den Blutkreislauf, dann reagiert es mit unseren roten Blutkörperchen und behindert den Transport von lebenswichtigem Sauerstoff.

Kohlenstoffmonoxid

Folgende Symptome können bei einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Schwindelgefühle
  • In ganz hohen Dosen kann es zu Desorientierung, Sehstörungen, Anfällen und zu einer Störung der Gehirnfunktionen kommen
  • Auch Langzeitschäden sind möglich

Die große Gefahr besteht also darin, dass viele eine akute Vergiftung nicht rechtzeitig wahrnehmen und als solche auch erkennen. Gerade in den Abend- und Nachtstunden, wo der Kamin oder der Pelletofen laufen. Bei einigen Fällen wachen die Betroffenen nicht mehr rechtzeitig auf. Deshalb sollten Sie niemals die Gefahr von nistenden Vögeln im Schornstein unterschätzen.

Woran erkenne ich, ob sich ein Nest im Schornstein befindet?

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Jetzt in der Frühlingszeit sollten Sie regelmäßig nachprüfen, ob sich oben auf der Esse ein Schornstein befindet. Das ist aber nicht immer ganz so einfach, wie es sich vielleicht anhört. Denn nicht jedes Nest ist auch unten vom Boden aus erkennbar. Normalerweise schaut der Schornsteinfeger immer direkt nach, ob sich Vögel eingenistet haben. Da dieser jedoch nur im Abstand von einigen Monaten zur Überprüfung vorbeikommt, sollten Sie auch selbst nachschauen können. Zum Glück gibt es aber einige Warnhinweise, auf die Sie achten können:

  1. Lassen Sie Ihren Blick über die Dächer der Nachbarschaft und Umgebung schweifen: Gibt es in der Nähe schon Vögel, die auf den Dächern oder auf Schornsteinen ihr Quartier aufgeschlagen haben? Dann sollten Sie auf jeden Fall wachsam sein und sich mit Ihrem Schornsteinfeger in Verbindung setzen. Denn die Tiere haben den Instinkt, jedes Jahr an den gleichen Nistplatz zurückzukehren.
  2. Viele Vogelarten, wie beispielsweise Dohlen (Rabenvögel) inspizieren die Nistplätze vor dem eigentlichen Nestbau, ob die Stelle tatsächlich geeignet sind. Dazu setzen sich die Dohlen auf den Schornstein und werfen dann kleine Zweige und Nistmaterial hinein. Sollten Sie etwas in der Art bei Ihnen oder in der Umgebung beobachten, dann müssen Sie wachsam sein.
  3. Bei Dohlen gibt kommt ein weiterer gefährlicher Faktor hinzu. Die Vögel nisten nicht auf dem Schornstein, sondern nutzen die Anlage als Höhle und bauen das Nest darin! Es ist von unten aus gar nicht zu sehen. Beobachten Sie also Elterntiere, die immer wieder zu Ihrem Schornstein fliegen und dann verschwinden, dann gilt höchste Alarmstufe.

Wie häufig kommt so etwas bei uns vor?

Nistende-Vögel-auf-dem-Schornstein

Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass so etwas bei Ihnen am Kamin oder Kaminbausatz nicht passieren kann. Denn während der Nistzeit entdecken die Schornsteinfeger pro Woche mehrere Nester auf oder in den Schornsteinen, die dann entfernt werden müssen. Bei dem Problem handelt es sich nicht um ein künstliches mediales Hochkochen des Themas. Es ist eine reale Gefahr.

So gab es im Jahr 2014 in Warensdorf bei Ahlen (NRW) ein tragisches Unglück, bei dem eine 4-köpfige Familie durch ein Dohlennest im Schornstein an einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung gestorben ist.

Wie kann man sich schützen?

Mit nistenden Vögeln im Schornstein oder Leichtbauschornstein ist nicht zu spaßen. Deshalb ist Prävention eine der wichtigsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können. Eine gute Beobachtungsgabe und die Tipps zum Erkennen eines Nistplatzes sind da schon ein guter Anfang. Es gibt aber noch mehr, was Sie unternehmen können, um sich und Ihre Familie vor der Gefahr einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung zu schützen.

Die Installation eines sogenannten Dohlengitters auf dem Schornstein verhindert, dass sie die Tiere dort ein Nest bauen können. Manchmal reicht das aber nicht aus. Die bessere Lösung ist eine Schornsteinabdeckung. Das ist ein Aufsatz, der oben am Schlot befestigt wird. Die Vögel haben keine Möglichkeit mehr in den Schornstein hineinzuklettern und dort ihr Nest zu errichten. Außerdem schützen solche Schornsteinaufsätze auch vor einfallendem Regen und der Gefahr der Versottung.

Mit einem Schornsteinaufsatz können Sie Vögel am Nisten im Schornstein hindern

Mit einem Schornsteinaufsatz können Sie Vögel am Nisten im Schornstein hindern

Ganz wichtig: Rauchmelder mit CO Erkennung. Diese Frühwarngeräte können einen Anstieg von Kohlenstoffmonoxid in der Raumluft erkennen und schlagen dann Alarm. So werden Sie im Ernstfall auf die Gefahr hingewiesen und können entsprechend reagieren. Die Geräte sollten in jedem Raum platziert werden, wo Sie auch einen Kaminofen stehen haben. Zusätzlich ist eine Anbringung im Schlafzimmer sinnvoll, damit Sie im Notfall geweckt werden.

Wird der Alarm für Kohlenstoffmonoxid ausgelöst, ist es am Besten, die Fenster weit zu öffnen, dann geschlossen das Haus zu verlassen und die Feuerwehr zu verständigen.

Was sollte ich machen, wenn auf dem Schornstein ein Nest mit Vögeln zu sehen ist?

Sollten Sie oder der Kaminkehrer ein Vogelnest im Schornstein oder im Edelstahlschornstein entdeckt haben, dann muss es vom Profi entfernt werden. Da sollten Sie auf keinen Fall selbst rangehen. Denn viele Vogelarten (auch die Dohle) stehen unter Naturschutz. Liegen noch keine Eier im Nest, dann geht die Entfernung in der Regel schnell und einfach.

Dann werden häufig sogenannte Fallgranaten hineingeworfen. Das sind Gewichte, die das Nest zerstören und nach unten drücken. Man kann bei hartnäckigen Fällen auch einen Windhaken einsetzen. Befinden sich jedoch schon gelegte Eier im Nistplatz der Vögel, müssen die se mit einigem Aufwand umgesiedelt werden.