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Collage mit einem Retro-Werbeplakat, einem Barcode und einem Edikett mit einer Discounter-Fleischtheke

Steaks vom Discounter: Minderwertig oder lohnenswert?

Nicht jeder Hobbygriller kann und will im Sommer seinen Lohn in teures Fleisch investieren. Viele Discounter und Supermärkte bieten genau dafür fertig marinierte Steaks verschiedenster Fleischarten an. Doch lohnt es sich überhaupt, budgetfreundlich billiges Fleisch zu kaufen? Wie ist die Dicke, die Marinade, der Fettgehalt, der Geschmack? Zudem möchten wir in diesem Beitrag darüber aufklären, was mit dem Kauf und Verzehr von Fleisch vom Discounter in Zusammenhang steht. Außerdem geben wir Tipps an die Hand, was beim Kauf, der Zubereitung und Grillen vom Discounterfleisch auf dem Holzkohlegrill oder Gasgrill beachtet werden sollte.

Dass es sowohl Mensch, Tier und Natur zu Gute kommt, wenn Fleisch nicht im Übermaß, sondern bewusst konsumiert wird, steht außer Frage. Wir wollen niemanden dazu zwingen sich einmal zu fragen, ob es nicht doch klug wäre ab und an auf Fleisch zu verzichten und dafür zu Fleisch höherer Qualität zu greifen, um Bauern, Tier, Umwelt und damit auch langfristig betrachtet der Menschheit insgesamt zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen.

Was sagt der Preis über die Steaks aus?

Die günstigen Preise bei Steaks vom Discounter entstehen hauptsächlich durch Kostendruck bei der Erzeugung. Die Nachfrage nach billigem Fleisch führt unweigerlich dazu, dass Bauern gezwungen werden auf Masse zu setzen. Nur wer in kürzester Zeit möglichst viel Fleisch produziert, kann kostendeckend arbeiten und seinen Betrieb aufrechterhalten. Dies führt zu Massentierhaltung, unweigerlich zu Medikamenteneinsatz und zu nicht unbedenklichen Methoden um das Fleischwachstum voran zu treiben.

Der Kostendruck lässt jedoch auf die Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen beim Tierschutz, der Haltung, Hygiene und Schlachtungsvorschriften schließen, und lässt keine höheren Standards darüber hinaus zu – dem gesunden Menschenverstand folgend sieht ethisch korrekt und ökologisch anders aus. Den Gewissensaspekt untergraben viele Konsumenten jedoch am schnellsten beim Fleischkauf – der Preis ist meist wichtiger als die Herstellung, so die gängigen Gedanken.

Wie der Nachrichtensender ntv in seinem Beitrag „Antibiotikaresistente Keime- Putenfleisch ist fast ausnahmslos belastet“ berichtet, wurde bei einer Studie günstiges Discounter-Putenfleisch untersucht. Für die Untersuchung hatte der BUND in zwölf Städten frisches, abgepacktes Putenfleisch bei Aldi, Lidl, Real, Netto und Penny gekauft und im Labor untersuchen lassen. In 90% der Fälle konnten antibiotikaresistente Keime nachgewiesen werden. Die auch unter dem Namen „Krankenhauskeime“ bekannten Erreger werden als größte Gesundheitsgefahr für den Menschen eingestuft. Übrigens testete der BUND auch vier Proben aus Hofschlachtereien, bei denen die Puten alternativ gehalten worden waren. Dabei wurden keine Belastungen nachgewiesen.
Bildfolge gegrilltes und serviertes Putensfleisch mit einem Edikett der Massentierhaltung bei Puten in der Mitte der Bildkomposition

Die Frage was der Preis über Steaks vom Discounter aussagt, ist demnach beantwortet und zeigt klar, dass man mit rohem Fleisch vom Discounter nicht ganz so bedenkenlos umgehen sollte, wenn man es für den Grill zubereitet. Die Keime werden beim Grillen jedoch abgetötet. Im folgenden möchten wir den Grillliebhabern einige Tipps mit auf den Weg geben, um sich vor den Keimen konventionell produzierten Fleisches zu schützen.

Wie können Sie sich vor Keimen im Fleisch vom Discounter schützen?

Beim Grillen werden die Keime durch die hohe Temperatur abgetötet. Achten Sie deshalb darauf- wenn Sie sich trotz aller negativen Aspekte für günstiges Fleisch vom Discounter entscheiden- dass das Steak vom Discounter vor dem Verzehr auch wirklich gut durchgegart ist – dann sollte es keine Probleme geben. Der Verzehr von rohen Steaks ist also tabu. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in seinem Artikel „Keime im Fleisch- was tun?“ umfassend auf die Problematik des mit Keimen versetzten Fleisches aufmerksam gemacht und gibt einige Handlungsempfehlungen, die wir im folgenden zusammenfassen möchten.

So schützen Sie sich vor multiresistenten Keimen im Fleisch vom Discounter:

  • Im Supermarkt darauf achten, dass es einen abgegrenzten Bereich an der Bedienungstheke gibt und separate Geräte verwendet werden, damit Keime vom Fleisch nicht Wurst oder Käse kontaminieren können
  • Tierische und pflanzliche Lebensmittel getrennt und mit separatem Equipment zubereiten
  • Rohes Fleisch (insbesondere Geflügel) gesondert im Kühlschrank aufbewahren
  • Fleisch vor der Zubereitung abwaschen und mit Küchenpapier trocken tupfen
  • Fleisch richtig auftauen
  • Fleisch keinesfalls in der Mikrowelle zubereiten, da eine Abtötung der Keime durch eine unregelmäßige Wärmeverteilung in der Mikrowelle nicht garantiert werden kann
  • Innerhalb der einzelnen Zubereitungsschritte die Hände gründlich waschen
  • Fleisch bis in den Kern erhitzen (Keime werden nach 10 Minuten bei 70 Grad Celsius abgetötet). Mit einem Fleischthermometer haben Sie die Temperatur immer im Blick
  • Küchengeräte gründlich mit sehr heißem Wasser reinigen
  • Abwaschlappen und Reinigungsschwämme mindestens einmal die Woche wechseln
Bildfolge zum richtigen Umgang mit Discounterfleisch

Wie werden Geschmack und Qualität des Fleisches beeinflusst?

Durch die meist kostengünstige Fütterung, den Einsatz von Medikamenten, Wachstumsmitteln und für die Tiere stressigen Lebensbedingungen ist der Geschmack eines Discounter-Steaks nicht mit den Steaks einer Hausschlachterei vergleichbar. Deshalb besteht unser Grillmeister der ofen.de-Grillschule darauf, kein Fleisch vom Discounter zu verwenden. Er betont immer wieder, dass es geschmacklich sehr wohl einen Unterschied macht, ob das Grillgut konventionell oder so natürlich wie möglich produziert wurde. Der Besuch eines Grillkurses bei Halle/ Leipzig gibt also auch die Möglichkeit einmal in den Genuss von qualitativ hochwertigen Fleisch zu kommen und geschmacklich zu testen.

witerführendes Banner zur Grillschule

Der Geschmack des Fleisches wird durch folgende Faktoren beeinflusst

  • Je natürlicher die Haltungsbedingungen, desto stressfreier die Tiere
  • Langsames Wachstum sorgt für sehr gut durchwachsenes Fleisch, welches durch kleine weiße Fettstränge gekennzeichnet ist und sich positiv auf die Sensorik auswirkt
  • Genügend Auslauf sorgt für Muskelwachstum und damit einhergehend für hohe Fleischqualität
  • Fleisch kann sich nur ordentlich ausbilden, wenn Zeit gegeben ist. Daher ist das Fleisch älterer Tiere die unter natürlichen Bedingungen gehalten werden schmackhafter und geschmacksintensiver
  • Bewiesen ist mittlerweile auch, dass Fleisch von Tieren die viel frisches Grünzeug essen einen viel höheren Omega-3-Fettsäurengehalt (positive Effekte auf Darmflora und Immunsystem des Menschen) aufweisen.

Fleisch vom Discounter kann die Prämissen für qualitativ hochwertiges Fleisch nicht erfüllen. Aus Kostengründen werden die meisten Tiere relativ jung geschlachtet, haben keinen Auslauf und sind ständigem Stress ausgesetzt. Der Geschmack bleibt unweigerlich auf der Strecke.

Was kann ich beim Kauf von Discounterfleisch beachten?

Viele ambitionierte Hobby-Köche bemängeln, dass fertige Discounter-Steaks meist nicht den richtigen Fettgehalt haben – sie sind zu mager beziehungsweise verfügen sie nicht über die kleinen Fettstränge, die gut durchwachsenes Fleisch kennzeichnen. Durch die Skandale der letzten Jahre (Keimbelastung, Belastung mit Dioxin etc.) und ein damit einhergehendes Umdenken bei den Verbrauchern, haben sich die Discounter jedoch angepasst: die Qualität des Fleisches nimmt bei vielen Discountern zu, indem das Fleischsortiment ausgeweitet wird und nun auch Fleisch in Bioqualität angeboten wird. So findet sich im Supermarkt immer öfter Fleisch in Bioqualität, auf dessen Verpackung das sechseckige Biosiegel prangt.

Bio Siegel nach EG Öko-VerordnungFleisch mit Biosiegel- nicht das Nonplusultra, aber ein Anfang!

Viele Verbraucher spielen die Bio-Nische herunter und glauben, dass es sich hierbei mehr um Werbetäuschung handelt, als um wirklich bessere Produkte. Dem widersprechen wir aber. Es ist viel sinnvoller sich zu fragen, welche Meinung man mit dem Kauf von Biofleisch zum Ausdruck bringt und für welche positiven Aspekte und Bedingungen man mit dem Kauf von Biofleisch einsteht und somit unterstützt:

  • Haltung im Stall und auf Weiden
  • Wenig automatisierte Prozesse (Mensch ist weiterhin Arbeitskraft)
  • Tiere haben mehr Platz, um natürlichen Bedürfnissen nachzugehen (Schweine stehen nicht auf Vollspaltböden, sondern können beispielsweise im Stroh wühlen. Hennen haben Möglichkeiten zu picken und ein Sandbad zu nehmen)
  • Futter wird größtenteils von eigenen Feldern frisch geerntet und mit eigenem Dung die Felder wieder bestellt (geschlossener Kreislauf)
  • Futter ist nicht gentechnisch verändert
  • Keine Verfütterung von Leistungsförderern, um Wachstum künstlich zu beschleunigen
  • Antibiotika kommen nur bei wirklicher Krankheit und nicht vorbeugend zum Einsatz
  • Muss ein Tier zweimal in seinem Leben mit Antibiotika versorgt werden, muss es als konventionelles Fleisch verkauft werden
  • Biofleisch viel seltener mit Erregern belastet

Wir finden, dass diese Gründe sehr wohl dafür sprechen ein wenig mehr für besseres Fleisch auszugeben und gegebenenfalls auch einmal auf das Stückchen Fleisch zu verzichten. Ausnahmslos jeder Lebensform auf der Erde wäre geholfen, wenn man sich wieder auf den guten alten Sonntagsbraten besinnt!

Alternative Tierhaltung bei Schweinen Strohboden vs. Spaltboden

Kauf weitestgehend unverarbeiteter und regionaler Fleisch-Produkte

Beim Fleisch vom Discounter greifen viele Verrbaucher gerne auf die altbekannten Nackensteaks im 4er-Pack zurück. Diese Discountersteaks sind bereits mariniert und in unterschieidlichen Geschmacksrichtungen erhältlich. Packung auf und im Handumdrehen lassen Sie sich auf dem  Grillkamin zubereiten. Doch oftmals wird beim Kauf des günstigen Discounterfleisches nicht bedacht, dass die lecker anmutende Marinade von dem wahren Fleischanblick ablenkt. Flüssigwürze, Würzlake, Marinade oder Bouillon klingen besonders lecker auf der Verpackung. Fakt ist jedoch, dass sich der Verbraucher weder optisch noch geruchstechnisch ein Bild von der tatsächlichen Qualität des Fleisches machen kann. Sowohl Optik, als auch der Geruch sind jedoch die wichtigsten Merkmale, um die Frische von Fleisch zu bestimmen. Mit Flüssigmarinade gespritztes Discounterfleisch wiegt Dank des Wasserzusatzes mehr, was sich somit auf den Gewinn der Vertreiber positiv auswirkt. Vom ursprünglichen Fleischgeschmack bleibt bei so behandelten Discounter-Steaks nichts mehr übrig. Ob Sie zu fertig marinierten Steaks greifen, bleibt jedem selbst überlassen. Wie man Fleisch richtig mariniert, haben wir ausführlich im verlinkten Beitrag gezeigt und geben hier auch verschiedenste Rezepte preis. Fleisch selbst zu marinieren ist wahrlich nicht schwer und gibt Raum, um eigene Inspirationen zu verwirklichen.

Bildfolge Metzkerfleisch vs. Discounterfleisch

Wir halten Discounterfleisch, welches unter konventionellen Bedingungen hergestellt wurde, für minderwertig und überhaupt nicht lohnenswert. Wenn man Fleisch in Maßen genießt, ist bei gelegentlichem Verzicht des täglichen Discounterfleisches finanziell dafür ein deftiger Sonntagsbraten in Bioqualität drin. Mit gutem Gewissen und Verantwortung für Tier, Mensch und Natur isst es sich doch deutlich leckerer!?