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Es geht um die Wurst – Rechtliches beim Grillen!

Sommer, Sonne und leckeres Fleisch auf dem Grill. Für viele Menschen ist das die „Heilige Dreifaltigkeit“ ihrer Freizeit. Grillen hat sich in Deutschland schließlich zu einem echten Volkssport entwickelt. Doch was sagt eigentlich der Gesetzgeber zum Grillvergnügen? Haben Sie als Mieter ein Grundrecht aufs Grillen, und wie sieht es eigentlich mit öffentlichen Rasenflächen aus? In diesem Beitrag haben wir für Sie in den Gesetzbüchern gestöbert!

Deutscher Föderalismus – Auch beim Grillen?

Beginnen wir mit der schlechten Nachricht gleich zuerst. Jedes Bundesland, jeder Landkreis, jede Gemeinde und sogar jeder Vermieter hat seine eigenen Regelungen was das Grillen angeht. Es gibt keine einheitlichen Bestimmungen, die das Grillvergnügen einheitlich und bundesweit regeln. Sie müssen sich also selbst kundig machen, bevor Sie die den Holzkohlegrill anfeuern oder den Gasgrill entzünden. Wir können Ihnen in diesem Beitrag daher nur einzelne Beispiele und grobe Richtlinien mit an die Hand geben.

Gerichtsurteile sind ebenfalls nicht einheitlich und weichen teils stark voneinander ab. Zudem beziehen diese viele verschiedene Faktoren mit ein. Es hängt nicht nur vom Grundstück und vom Ort des Grillens ab, sondern auch von der Uhrzeit und dem verwendeten Grillgerät. Das ist alles andere als übersichtlich, weshalb Sie immer gut fahren, wenn Sie sich mit den Nachbarn gut stellen und den eigenen Grillabend zuvor ankündigen.

Grillen auf dem Balkon – Eine Grauzone?

  • In Nordrhein-Westfalen entschied das Amtsgericht Bonn (Az. 6 C 545/96), dass zwischen April und September maximal einmal im Monat auf dem eigenen Balkon oder auf der Terrasse gegrillt werden darf. Allerdings müssen Sie die Nachbarn mindestens 48 Stunden im Voraus informieren.
  • Das Amtsgericht Hamburg-Mitte (Az. 40 C 229/1972) und das Landgericht Düsseldorf (Az. 25 T 435/90) haben allerdings entschieden, dass das Grillen mit einem Holzkohlegrill auf dem Balkon komplett verboten ist.

So verwirrend diese Bestimmungen auch klingen mögen, so einfach ist es dann doch in der Praxis. Für Mieter besteht generell kein Recht aufs Grillen. Der Vermieter kann grundsätzlich das Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse verbieten, wenn die Nachbarwohnungen zu nah gelegen sind und die Nachbarn dadurch belästigt werden könnten. Wenn Sie dagegen mehrmalig verstoßen, dann kann es zur Abmahnung und sogar zur Kündigung des Mietverhältnisses kommen.

Ganz in Stein gemeißelt sind diese Verbote allerdings nicht, denn im Kern geht es immer um den Schutz der Nachbarschaft vor Rauch- und Lärmbelästigung. Wenn Sie dementsprechend vorsorgen, sprich: Einen Elektrogrill mit Alufolie statt einem offenen Holzkohlegrill verwenden und die Nachtruhe ab 22.00 Uhr einhalten, dann können Sie die Grillverbote ein- bis zweimal umgehen. In jedem Falle sollten Sie vorher die Nachbarn um Erlaubnis fragen, denn wenn diese einverstanden sind, dann kommt es erst gar nicht zum Streit. Wenn es keinen Streit gibt, dann wird auch niemand den Vermieter über die kleine Grillfeier auf dem Balkon informieren.

Grillen im eigenen Garten – ein Grundrecht?

Wenn Sie aber nun denken, dass Sie im eigenen Garten nach Lust und Laune Ihren leckeren Flammlachs oder Ihr duftendes Fleisch im Peka Topf zubereiten dürfen, dann müssen wir Sie leider enttäuschen. Das Grillen ist nach den gängigen Gerichtsurteilen kein Grundrecht, sondern nur in Ausnahmen und mit Auflagen erlaubt.

  • Das Landgericht in Aachen (Az. 6 S 2/02) entschied für Nordrhein-Westfalen über die erlaubte Lage und die geeignete Uhrzeit für das Grillen im eigenen Garten. Sie dürfen den Grill nur im hintersten Teil aufstellen und auch nur zweimal im Monat zwischen 17.00 und 22.30 Uhr grillen. Alles andere sei für die Nachbarn unzumutbar.
  • Das Landgericht Stuttgart (Az. 10 T 359/96) entschied, dass Sie sechs Stunden pro Jahr auf der eigenen Terrasse grillen dürfen.
  • In Berlin-Schöneberg, Niedersachsen und Bayern können sich die Grillfreunde dagegen etwas mehr freuen, denn
  • Das Amtsgericht Schöneberg (Az. 3 C 14/07) bestimmte, dass Sie 20-25 mal im Jahr für bis zu zwei Stunden im eigenen Garten grillen dürfen. Es gibt aber auch eine verbindliche Uhrzeit, denn um 21.00 Uhr muss der Grillabend beendet sein.
  • Das Oberlandesgericht in Oldenburg (Az. 13 U 53/02) hielt viermal jährliches Grillen bis Mitternacht für alle Nachbarn zumutbar.
  • Bayern (Az. 2 Z BR 6/99) ist da schon ein bisschen großzügiger, denn Sie dürfen mit einem Holzkohlegrill fünfmal jährlich im Garten grillen, wenn Sie dabei einen Abstand von 25 Metern bis zum Nachbargrundstück einhalten

Grillen im Park – Was muss ich beachten?

Wenn Sie schon nicht auf dem Balkon, der Terrasse oder im eigenen Garten nach Lust und Laune grillen dürfen, wie mag es dann erst in öffentlichen Parks aussehen? Hier sind die Regeln zum Glück einfacher, denn jede Gemeinde hat dafür ihre eigenen Richtlinien. Diese können im Internet nachgeschlagen oder einfach beim Bürgeramt erfragt werden. An dieser Stelle können wir Ihnen aber ein paar grundsätzliche Bestimmungen mit an die Hand geben.

In vielen Städten ist das Grillen nicht auf allen Grünflächen erlaubt, sondern nur auf ausgewiesenen Grillplätzen. Nur innerhalb dieser Zonen dürfen Sie einen offenen Holzkohlegrill betreiben, ansonsten müssen Sie mit einem Bußgeld rechnen! Aber auch innerhalb der Grillzonen muss der Platz für den Grill richtig gewählt sein. In vielen Städten werden explizit Mindestabstände zu Bäumen, Sträuchern oder brennbaren Materialien vorgeschrieben. Beim Grillen sollte zudem die Grasnarbe unbeschädigt bleiben und nicht mutwillig zerstört werden.

Wenn Sie mit dem Grillen fertig sind, dann müssen alle Verbrennungsrückstände sorgfältig abgelöscht werden. Am besten verwenden Sie dafür Wasser oder Sand. Sie sollten daher immer etwas zum Ablöschen dabei haben. Wenn Sie die Grillfläche verlassen, dann sollte diese im besten Fall wieder genau so aussehen, wie Sie diese vorgefunden haben. Das bedeutet, dass Sie Holzkohle und Asche nicht einfach aus dem Grill auf den Rasen kippen dürfen. Sämtliche abgelöschten Verbrennungsrückstände sind in entsprechend gekennzeichneten Mülltonnen zu entsorgen. Sollten diese nicht vorhanden sein, dann müssen Sie den entstandenen Abfall mit nach Hause nehmen und dort entsorgen.

Im Großen und Ganzen gilt: Wer grillen möchte, sollte die geltenden Gesetze studieren oder seinen Nachbarn lieber einladen!


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